BlinkenTree – ein 24h Projekt

Am vergangenen Wochenende haben wir relativ spontan ein sehr dekoratives Blink-Objekt gebaut: ein blinkendes LED-Bäumchen:

LED Tree finished

Das Bäumchen hat 21 pinke 3mm LEDs, das Bäumchen selbst ist 19 cm hoch und 15 cm breit, die Box ist 6 x 16 cm groß. Innerhalb der Box befindet sich die Platine mit der gesamten Verkabelung incl. Stromversorgung. Bei letzterem handelt es sich um 4 1,5 V Batterien im Batteriehalter.

Mit der Umsetzung haben wir am Samstag gegen 14 Uhr begonnen und waren am Sonntag um etwa dieselbe Zeit fertig. Die Vorbereitungen für das Projekt begannen am Montag und bestanden vorallem aus Teilebestellung und … Warten auf den Paketzusteller.

Die Schaltung:

Als Grundlage für die Schaltung haben wir die bulb-Schaltung verwendet. Dadurch konnten wir die dazugehörige Software leicht abgewandelt wiederverwenden. Außerdem hatte Stefan nebst einiger Kleinteile noch den Prozessor dafür, was die Teilebeschaffung erheblich vereinfacht hat.

led_tree_board

Die bulb-Schaltung wurde mit einem Spannungsregler versehen und von 6 auf 3 Zeilen reduziert. Das Bäumchen sollte für den Anfang mit 21 LEDs auskommen. Vielleicht gibt es mal einen großen LED-Baum mit 42 LEDs.

led_tree_board_top

Die Äste und Zweige:

Der Stamm und die Äste des Bäumchens sind je zwei stark verdrillte Klingeldraht-Adern, an deren Enden jeweils eine LED angelötet ist. Diese Kabelkonstruktion ist fest genug, sodass das Bäumchen seine Gestalt behält.

Die Box:

In der Spanbox befindet sich die auf Lochraster gelötete Schaltung. Den Deckel haben wir verstärkt mit 4mm dickem Sperrholzbrett und ein Loch hineingesägt (mit Stefans CNC Fräse!). Dadurch verschwindet der Kabelsalat ebenfalls in der Dose. Der Kabelsalat ist im Deckel zu einer ordentlichen Zeilen-Spalten-Matrix sortiert, sodass vom Deckel zur Lochrasterplatine nur noch ein 10-Adern-Flachbandkabel führt (3x Zeile, 7x Spalte).

led_tree_cable_salad_sorted

Das Finish:

Stefan hat die bulb-Software noch angepasst, sodass sie mit nur 3 statt 6 Zeilen arbeitet.

Dann nur noch Stromversorgung dran, Kippschalter an die Box, Deckel zu und es blinkt!

led_tree_finished_inside

Sehr dekorativ – wie wir finden. 🙂

Vielen Dank an Stefan für die Unterstützung beim Handwerklichen und Elektronischen! In Kürze gibt es das Projekt auch im Wiki zu bestaunen.

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Rückblick: BlinkenArea auf dem 29c3

Natürlich war die BlinkenArea auf dem vergangenen Congress des CCC, dem 29c3 mit dem Titel NOT MY DEPARTMENT. Leider hat es zeitlich nicht gereicht für Blog-Beiträge, Bilder auf Flickr, Videos auf YouTube oder Tweets die unsere Anwesenheit auf dem 29c3 angekündigt und hinreichend dokumentiert hätten. Ein paar Eindrücke von diesem großartigen Event möchte ich Euch nun noch nachträglich geben.

29c3_cch_saal1

Der 29. Chaos Communication Congress war nach vielen Jahren nicht mehr in Berlin, sondern in Hamburg im CCH. Es waren rund 6000 Teilnehmer anwesend. Aber in dem großen verwinkelten Congress Zentrum hat sich die Menge gut verteilt, sodass gar nicht so sehr auffiel, dass so viele Hacker da waren. Es war eine wirklich tolle Veranstaltung dank der großartigen Organisation, die wie immer mit Freiwilligen gestemmt wurde. Die Stimmung war wie gewohnt familiär und das Interesse sich über die jeweiligen Projekte miteinander auszutauschen war so richtig groß dieses Jahr.

 install_blinkenarea

Die BlinkenArea war im Erdgeschoss zu finden im Hackcenter. Wir waren nicht ganz vollzählig und hatten auch nicht die gewohnte Präsenz, da wir nur die Projekte dabei hatten, die wir mit zwei normal dimensionierten PKWs transportieren konnten. Trotzdem war das Interesse an unserer Gruppe und unseren Projekten rekordverdächtig. Dazu hat sicherlich beigetragen, dass wir dieses Mal ganz offiziell SMD-Löt-Workshops angeboten haben.

BlinkenArea_29c3_collage

Das große Interesse an solchen Löt-Workshops aus den letzten Jahren Congress und Camp haben uns gezeigt, dass die Leute daran riesigen Spaß haben. Und es scheinen immer mehr zu werden  – ob alt oder jung, männlich oder weiblich. Die 5-6 verfügbaren Lötstationen waren nahezu 24/4 in Betrieb. Zeitenweise hat hinter jedem Lötplatz noch jeweils eine Person ausgeharrt bis der Platz frei wurde, um ihn dann sofort in Beschlag zu nehmen. Unsere Bausätze waren am letzten Tag dementsprechend bis auf 10-15 Stück dezimiert. Wir haben etwa 160 Bausätze unter die Leute gebracht – eine Mischung aus einfacheren und richtig komplizierten und “fitzligen” Bausätzen.

Auch die Presse war gut vertreten. Wir wurden vom ORF, NDR und der Bild am Sonntag interviewt. Am 27. war die BlinkenArea im Rahmen eines Berichts über den Congress sogar in der Tagesschau zu sehen! Mehr 29C3 Presse gibt es wie imer im Pressespiegel. Und zu guter Letzt durften wir noch für den Podcast Wikigeeks unseren Beitrag in einem Interview leisten: Wikigeeks über den 29C3.

Es war ein toller Congress! Mein Eindruck war, dass sich die Hacker im CCH noch ein wenig fremd gefühlt haben. Vermutlich wird das nächstes Jahr anders werden wenn wir beginnen, uns in Hamburg zu Hause zu fühlen und die Nerds so langsam auftauen. Wir freuen uns auf weiteres Chaos in Hamburg!

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Optimierungsversuch (gescheitert)

Gestern war ich zu Besuch im Regierungspräsidium Stuttgart. Bei der Einladung freute ich mich über die positive Entwicklung, dass Besprechungsraumnummern durch Städtenamen ergänzt wurden, denn jedes Mal stehe ich am Empfang und krame nach der Raumnummer, weil ich sie mir natürlich nicht gemerkt habe. Ein Besprechungsraum der sonst eine unhandliche vierstellige Nummer trägt, hat nun z.B. den Zusatz Hamburg, Berlin oder Hohenstein-Ernstthal (ein Spaß!).  Mit größter Freude teilte ich dem Pförtner den Namen des Besprechungsraumes mit, den ich mir problemlos gemerkt hatte. Der guckte mich entgeistert an und meinte: “Ich brauch die Raumnummer, die Namen sind neu, die weiß ich nicht.” Und schon ging die Kramerei in der Tasche wieder los. Ich hatte die Raumnummer natürlich dabei, weil ich – wie in der Verwaltung üblich – die E-Mail mit der Einladung ausgedruckt hatte.

Auch wenn das oben genannte Beispiel genau meine Wahrnehmung der öffentlichen Verwaltung widerspiegelt, möchte ich an dieser Stelle erwähnen, dass die Sache mit den Raumnamen im Regierungspräsidium Freiburg ganz hervorragend funktioniert.

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Router-Zwang bei O2/Alice & Vodafone

Seit einiger Zeit zwingen O2/Alice & Vodafone einige Kunden ihre hauseigenen Router zu kaufen und zu nutzen. Es gibt nur noch einen “Freischaltcode” der in den Router eingegeben werden muss. Die Konfigurationsdaten werden dann per TR-069 geholt und automatisch eingetragen. Der Kunde gelangt nicht mehr an die Konfigurations- und Einwahldaten seines Anschlusses. Auch nicht auf Nachfrage. Die Bundesnetzagentur ist über die Sache informiert und es wird daran gearbeitet. Es handelt sich um einen klaren Verstoß gegen §11 des Gesetzes über Funkanlagen und Telekommunikationsendeinrichtungen (FTEG). Hier steht im Absatz 3:

“Betreiber öffentlicher Telekommunikationsnetze dürfen den Anschluss von Telekommunikationsendeinrichtungen an die entsprechende Schnittstelle aus technischen Gründen nicht verweigern, wenn die Endeinrichtungen die geltenden grundlegenden Anforderungen erfüllen.”

So klar und eindeutig sind Gesetzestexte selten.

Auch wenn man eigentlich Recht hat, ist das Problem noch lange nicht gelöst. Denn was nützt es dem Kunden ein Gesetz in der Hand zu haben, wenn der Provider die Herausgabe der Zugangsdaten verweigert. Bis die Klage durch ist oder die Bundesnetzagentur etwas erwirkt hat können Monate und Jahre vergehen.

Wer seine Zugangsdaten haben möchte muss also seinen eigenen Router “hacken” bzw. seine eigenen Login-Daten ausspähen in dem er seinen Datenverkehr “abschnorchelt”. Wie man seine O2/Alice VoIP Konfigurationsdaten herausbekommt hat Benjamin Schischka zusammen getragen. Bei Vodafone ist es möglich die Konfigurationsdaten der Easybox verschlüsselt zu exportieren. Im Arcor User Forum findet man einen Einstieg um die exportierten Daten zu entschlüsseln und so an sein Passwort zu kommen.

Die Provider versuchen natürlich diese Informationen und Programme zu blockieren, allerdings dürfte es schwer werden jemanden zu verurteilen, weil er seine eigenen Daten untersucht und seine eigenen Login-Daten herausfindet um sie dann zu nutzen.

Nachtrag:

Laut PC Welt geben die Provider übrigens Sicherheitsgründe für die Nichtherausgabe der Zugangsdaten an. Klar, ist es viel sicherer, wenn der der Kunde seine Zugangsdaten nicht hat und diese erstmal unverschlüsselt zum Router übertragen werden. Außerdem kann man so die Konfiguration des Routers ändern, ohne das es der Kunde merkt und blöde Fragen stellt. Es ist auch sicherer wenn Mieter keine Schlüssel mehr bekommen würden und für mein Geld wäre es auch sicherer, wenn ich keine PIN’s und TAN’s mehr hätte. Die könnten vor der Transaktion doch unverschlüsselt zwischen Bank und Computer ausgetauscht werden. Vielleicht per TR-069? Dann muss man sich um nichts mehr kümmern. Und wenn die Bank meint, ich müsse etwas kaufen, dann können die das auch gleich für mich machen.

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Wenn Kunst Wirklichkeit wird

Kunst die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung eine krass überzogene Realität karikiert ist wichtig um den Betrachtern zu zeigen wie es werden kann, wenn die bestehenden Verhältnisse bleiben wie sie sind. Das Projekt TROIA warnte 2005 vor nichttötlichen Waffen, bei Gesprächen und im Theaterstück scherzten wir noch über die elektronische Fußfessel, die lange etabliert ist. Mitte 2009 schrieb ich in einem BlogbeitragOrwell war ein Optimist”. In seinem Roman 1984, der 1949 erschienen ist, beschreibt Orwell einen grausamen Überwachungsstaat im Jahre 1984 mit künstlich modifizierter Sprache (Neusprech), Gedankenpolizei, Hasswoche und Gehirnwäsche. Als Orwell 1948 diesen Roman schrieb, drehte er die Zahlen Vier und Acht und wählte 1984 als Anspielung auf eine damals sehr fern erscheinende Zukunft. Schon 1984 waren viele seiner Befürchtungen Wirklichkeit geworden und heutige Schüler sehen in Orwells 1984 keine besonders grausame Phantasie. TROIA, das vor einem gewaltbereiten Polizeistaat warnte wurde als Dystopisch und Schwarzmalerisch bezeichnet.

Allein in dieser Woche lese ich, dass Handschellen mit eingebautem Elektroschock zur Patentprüfung eingereicht wurden und das das Jobcenter Brandenburg 18 Hartz-IV Bezieher mit Schrittzählern ausgestattet hat. Es sei das Ziel, „den Teufelskreis von Arbeitslosigkeit und Krankheit zu durchbrechen“. Ich schlage direkt die Patentanmeldung für den Schrittzähler mit Elektroschock vor und zusätzlich den Gehirnstrommesser mit Elektroschock (Elektroenzephaloschocker). Wird ein bestimmter Gehirnstrom aus Blödheit oder wegen Nichtnutzung des Gehirns unterschritten gibt es gleich einen Stromschlag, aber nicht 50000 Volt an das Bein oder den Arm, nein bei mir gibt es stromsparende Millivolt, dafür aber an einen Zahnnerv.

Wenn man sich das alles so durchliest, könnte man zu dem Schluss kommen: auch TROIA war wohl optimistisch.

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Ich suche keine Freunde am Arbeitsplatz

Jedes Jahr im Oktober oder November geht es los. Es müssen Termine für Weihnachtsfeiern oder Treffen auf dem Weihnachtsmarkt gefunden werden. Ich möchte das alles nicht. Der soziale Druck lastet schwer auf meinen Schultern. Ich arbeite gern und das meiste mit dem ich Geld verdiene macht mir Spaß. Ich empfinde das als großen Luxus. Ich möchte aber mit den meisten meiner Arbeitskollegen keine Freizeit verbringen. Arbeiten super, Freizeit nein. Nicht weil ich sie nicht mag oder ich mich für etwas besseres halte, ich möchte es einfach nicht. Ich habe eine Hand voll Freunde und mit denen kann ich schon kaum Zeit verbringen. Um nicht als Spielverderber da zu stehen, soll ich aber Zeit mit meinen Arbeitskollegen verbringen. Nach der Arbeitszeit. Auf eigene Kosten. Ich verstehe das nicht, vermutlich bin ich ein “Sozialkrüppel”. Beim letzten Abteilungsausflug habe ich mich ganz gut gedrückt und bin lieber arbeiten gegangen. Ich habe nicht zugesagt, dass ich am Gruppenticket partizipieren möchte und bin auch nicht hingegangen. Trotzdem musste ich einen Anteil am Gruppenticket bezahlen. Ich stelle niemandem meine Privatausflüge anteilig in Rechnung, nur weil er nicht explizit abgesagt hat. Es waren 3,75 € und vielleicht ist das heute eben der Preis für einen Tag Privatsphäre. Mit meiner Wahrnehmung hätte ich nun zumindest verstanden, wenn ich eine private Veranstaltung ausrufe und es Personen gibt, die sich nicht melden, dass sie nicht daran teilnehmen wollen. In meinem Fall ist das leider nicht so. Es gab nun die Ansage: weil bei der letzten Veranstaltung nicht alle dabei waren (nicht nur ich), geht das Referat gemeinsam essen und wir suchen einen Termin bei dem definitiv alle können. Ich kann mich nicht wehren ohne unhöflich zu sein. Ich muss den Zeitdiebstahl ertragen. Mein Arbeitgeber übrigens nicht. Wenn ich nach Zeitdiebstahl google, dann erhalte ich zu oberst die Aussage: “Wer seinen Arbeitgeber bei der Arbeitszeit betrügt, muss mit einer außerordentlichen Kündigung rechnen.” Es ist ein Jammer.

Seit etwa einem Jahr studiere ich berufsbegleitend und habe dieses Studium zum Gegenstand eines sozialen Experiments gemacht. Ich habe in den ersten Monaten praktisch an keinen außerunterrichtlichen Veranstaltungen teilgenommen. Theoretisch könnte es jedem vollkommen egal sein was mit den anderen Studenten ist. Jeder hat einen Job und sein Umfeld. Man trifft sich, man lernt, schreibt Prüfungen und nach zwei Jahren klatscht man ab und sagt super fertig Ziel erreicht. Das was uns im MBA-Studium ewig vorgekaut wird. Effizienz: „Die Dinge richtig tun.“ Zielerreichung! Ziel ist der Abschluss. Es ist nicht das Ziel Kumpel von allen Studenten und Ausbildern zu werden. Vielleicht gibt es aus einer Gruppe von 25 Leuten noch 2 oder 3 mit denen Du gut klar gekommen bist und man hält den Kontakt, vielleicht entwickelt sich auch eine Freundschaft. Aber mit allen? Wenn Du Deine Freizeit nicht mit Deinen Kollegen teilst ist die Quittung, dass sie Dich für sozial inkompetent halten, ganz egal was Du in Deiner Freizeit machst und das projizieren sie auf Deine berufliche Kompetenz. Es wird so oft vom “Mittelweg” gesprochen, aber den geht kaum jemand. Entweder Du bist mein Freund und wir drücken uns und lecken uns die Bakterien an die Wangen wenn wir uns sehen und gehen auf den Weihnachtsmarkt oder Du bist mein Feind und es geht gar nichts. Während unseres Studiums müssen wir regelmäßig unsere Kommilitonen beurteilen (KODE Kompetenztest). Die Kategorien sind so gewählt, das wir überhaupt keine richtige Aussage treffen können, denn die Fragen beziehen sich alle auf das Berufsleben. Die Ergebnisse haben weder etwas mit der tatsächlichen beruflichen Leistung noch mit der Leistung im Studium zu tun. Es sind überwiegend subjektive Angaben über das Verhalten in den Pausen und der Freizeit. Ganz vereinfacht, ein Sympathie Barometer. Ich habe dort z.B. schlechte Werte bei der Kommunikation und sehr gute bei der (fachlichen) Kompetenz. Beides stimmt nicht. Ich bin für zwei Jahre in die öffentliche Verwaltung ausgeliehen und wäre ein denkbar schlechter Beamter. Verwaltungsvorschriften, Registratur, Verfügungen? Nichts worin ich gut bin. Auch in der Informatik gibt es reihenweise bessere Leute als mich. Ich kann aber Informatikern die Belange von Nichtinformatikern und umgekehrt gut erklären und vermitteln. Das mache ich im wesentlichen und das funktioniert ganz gut. Auf beiden Seiten kann ich die Wünsche näher in Richtung Realität bringen und Hinweise, Alternativen sowie Erfahrungen beisteuern. Das ist reine Kommunikation. Manchmal ist Kommunikation auch keine Kommunikation. Wichtig ist der Sender aber entscheidend ist nur das, was beim Empfänger ankommt.

Liebe Sender dieser Welt, manchmal enthält nichts senden mehr Information als irgendetwas senden. Alle Zeit die Ihr in die Vorbereitung eurer Sendung steckt, zahlt sich beim Empfänger mehrfach aus. Als Sender habt ihr die Möglichkeit die Zeit des Empfängers zu bereichern oder zu verschwenden.

Liebe Vorgesetzten, liebe Kollegen liebe Empfänger dieser Welt, stellt eure Antennen ab und zu mal neu ein. (Es gibt Menschen die gern mit euch arbeiten, aber keine Freizeit mit euch verbringen wollen.)

 

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Wie die Zurich Geld “verdient”.

Mein ehemaliger Arbeitgeber gab mir die Möglichkeit in eine betriebliche Altersvorsorge zu investieren. Der Vertrag lief bei der Zurich. Die Zurich Gruppe Deutschland ist ein großer Anbieter im Bereich fondsbasierter Riester-Produkte und arbeitet eng mit der Deutschen Bank-Tochter DWS zusammen.

Beim Wechsel meines Arbeitgebers gab es trotz mehrmaligem Schriftwechsel keine Möglichkeit die Versicherung auf meinen neuen Arbeitgeber zu übertragen, was dazu führte, dass die Versicherung kurzerhand auf mich als Person überschrieben wurde und ich Mahnungen zur Zahlung von Arbeitgeber und Arbeitnehmerbeitrag erhielt. Mir gelang es – allerdings nur mit großem Aufwand und gegen den Willen der Zurich – die Versicherung Beitragsfrei zu stellen.

Bis zum Tag des “Einfrierens” hatte ich 1750 € eingezahlt. Ich hatte nun die Wahl das Geld 30 Jahre liegen zu lassen, um es dann vielleicht ohne Verlust ausbezahlt zu bekommen oder die Versicherung zu meinem Nachteil zu kündigen. Was genau bei einer Kündigung übrig bliebe, konnte oder wollte mir die Zurich nicht sagen. Da ich das Geld nicht noch 30 Jahre für DWS Investitionen zur Verfügung stellen wollte, schämte ich mich für die Blödheit den Vertrag überhaupt unterschrieben zu haben und kündigte.

Ich bekam irgendwann eine Bestätigung und etwas später 881,67 € überwiesen. Das war das was die Zurich in etwa drei Jahren aus 1750 € gemacht hat. Etwas mehr als die Hälfte Verlust genauer -868,33 €. Ich bat die Zurich mir zu erklären was mit dem Geld geschehen ist und warum nur etwa die Hälfte übrig ist. Auf Briefe und E-Mails antwortete die Zurich überhaupt nicht und auf Einschreiben immer erst nach einer Nachfrage. Ich bekam zwar zwei Briefe mit mehreren Seiten Text, aber Antworten bekam ich keine. Es wäre alles in Ordnung, das könne ich in den AGB nachlesen und was ganz genau mit dem Geld passiere ist wäre ein Geschäftsgeheimis. Ich machte noch zwei Anläufe, um zu erfahren was mit den verlorenen 868,33 € passiert ist, dann schrieb mir die Zurich, ich hätte sehr viele Informationen zu meinem Produkt erhalten und sie bitten um Verständnis, dass sie mir keine weitergehenden Informationen mehr erteilen können.

Lieber Kunde, wir werfen Dein Geld zum Fenster raus und wenn Du unbequeme Fragen stellst, dann antworten wir Dir einfach nicht. Das musst Du bitte so akzeptieren.

Das Geld war weg und alles was ich jetzt noch machen konnte war ihnen auf die Nerven gehen. Also, wenigstens noch ein Brief mit Strafanzeige an die Staatsanwaltschaft Bonn geschrieben. Die begutachtete den Fall und stellte das Verfahren relativ zügig ein. Alles andere hätte mich auch gewundert. Ich hatte den Eindruck, die Zurich hat den Beschluss selbst geschrieben. Besonders gefallen hat mir:

“Nach Abschluss der Ermittlungen hat sich kein Tatverdacht wegen Untreue oder anderweitiger Delikte gegen die Beschuldigten ergeben.”

Ich kann bis heute nicht nachrechnen, was die Zurich mit meinem Geld gemacht hat, für die Staatsanwältin sind die Ausführungen der Zurich jedoch außreichend und nur das zählt. Sie schließt mit dem Satz:

“Ein strafrechtlich relevantes Verhalten ist aufgrund der Auszahlung des Betrages in Höhe von 881,67 Euro jedoch insgesamt nicht ersichtlich.”

Da bin ich ja richtig froh. Aber auch diese Fehlleistung wird meine Überzeugung vom Baum des demokratischen Rechtsstaats nicht erschüttern. Denn ihr seit nur die Schweine die sich dran reiben. Und irgendwie bin ich froh, dass mir das nicht nach 20 Jahren Versicherungslaufzeit passiert ist, sondern schon nach 3.

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Die Hauptuntersuchung.

Das was mir die Krankenkasse verwehrt, weil ich zu jung bin, muss mein Auto seit dem dritten Lebensjahr alle zwei Jahre über sich ergehen lassen. Hinten wird eine Sonde reingesteckt und ein unbekannter mit fraglicher Ausbildung grabbelt an allen Stellen rum und bekrittelt die durch die Jahre entstandenen Mängel. Widerlich! Das schlimmste ist, ich muss das auch noch bezahlen obwohl mich die Meinung von irgendeinem Fremdem über mein Auto überhaupt nicht interessiert. Die Organisationen die die Lizenz zum Gelddrucken erworben haben wissen natürlich das man an ihnen nicht vorbei kommt.

Da ich mit dem Kernschrott den die Hersteller so als Fahrwerk verbauen nicht auf die Straße kann, muss das praktisch bei jedem Fahrzeug erstmal gewechselt werden. Gesagt – getan, alles super auch außerhalb der Richtgeschwindigkeit. Schleift nicht, setzt beim bremsen nicht auf, Reifen sind symmetrisch abgefahren  und beim überfahren des Scheitelpunktes bei der Rampe im Parkhaus tuschiert die Abgasanlage mit einem zarten “zzzrrring” den Boden. Ergo: Fahrwerk optimal eingestellt. Nun musste die Sache noch von den “Fachmännern” abgenommen werden. Machen wir es kurz. Ich bin erschüttert. Nicht das man wie ein Idiot vor der leeren DEKRA Halle in der Stuttgarter Straße 13 warten muss, während 3 Mitarbeiter Eis essend vergnügt in einen Computerbildschirm gucken, nein man ist auch nicht in der Lage einfach mal das Teilegutachten mit den genauen Maßen zu lesen den der Hersteller beigelegt hat. Stattdessen wird irgendein “Kumpel” angerufen, der irgendwelche Maße bestätigen soll. Bei der DEKRA in Stuttgart Feuerbach werden Abstände im Millimeterbereich auch mit einem Meterstab “gemessen”, nicht etwa mit einem Messschieber. Die Krönung war, als der DEKRA Mitarbeiter mich fragte, ob er die Rad/Reifen Kombination mit aufnehmen solle. Mein “Ach, dass ist nicht nötig.” war wohl zu enthusiastisch. Der Spaß dauerte fast eine Stunde, ich hatte Angst um mein Auto und war knapp 40 € los.

Doch der Spaß war noch nicht zu Ende. Das was der Onkel Doktor noch nicht kann, kann der Spannemann von TÜV, Dekra und wie die vom Staat legitimierten Abzockervereine sonst noch heißen schon. Na? Gestern Abend noch schnell die Kennzeichenleuchte repariert was? Warum hatten Sie denn den Sitz ausgebaut? Klingt komisch ist aber so. Während mein geliebter Polo nach dem abziehen des Zündschlüssels praktisch nichts mehr von seiner Fahrt wusste, merkt sich mein alter Schwede beinahe jeden Schaltvorgang. Baust Du die Rücksitzbank aus, musst Du den Stecker für die 15 Airbags abziehen die da drin sind. Baust Du alles wieder ein möchte der Hersteller, dass eine Fachwerkstatt überprüft, ob Du das richtig gemacht hast. Diese setzt Dir dann gegen eine Strafgebühr den Fehler zurück und die Airbagleuchte erlischt. Mal sehen wann ich zur Werkstatt muss um überprüfen zu lassen, dass der Kofferraumdeckel korrekt geschlossen ist.

Wohl dem der der IT mächtig ist und noch in der Warteschlange vor der Hauptuntersuchung dem Fehlerspeicher sein Wissen rauspustet und der Onkel vom TÜV in einen sauberen Fehlerspeicher glotzt. Das kostet dann noch einmal 90 €, es gibt eine schief aufgeklebte Plakette und ein auf Wiedersehen bis zum nächsten mal.

Das drollige ist, in der Zeit in der ich da war, haben zwei Personen die offensichtlich häufiger kommen (ich vermute Gebrauchtwagenhändler) problemlos Plaketten für Autos bekommen, deren Zustand ich zumindest für fragwürdig erachtet habe. Ich bin aber auch kein DEKRA-Fachman.

Mal ganz ehrlich, auf so eine Institution kann ich verzichten. Ich bin der Meinung, jeder sollte selbst für seine Fahrzeuge verantwortlich sein. Wer das nicht kann, soll es von einem Fachmann machen lassen. Wer einen Schaden verursacht, weil sein Fahrzeug nicht den Vorschriften entspricht muss die Verantwortung übernehmen und für den Schaden aufkommen. Ich möchte nicht verallgemeinern, dass war einer von vielen DEKRA-Mitarbeitern aber wenn solche Leute in die Lage versetzt werden zu entscheiden was verkehrssicher ist und was nicht, dann bin ich froh, dass die DEKRA keine Gehirnchirugen ausbildet.

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Der (Congress) Umzug.

bcc + fairy dust - 28C3Alle Umzüge haben etwas gemeinsam. Eine Kernsubstanz wird aus seinem Umfeld gerissen. Es kommen Teile mit, es bleibt etwas zurück. Am alten und am neuen Ort bleibt Raum frei der vorher besetzt war. Raum für Neues, dass neben dem Altbewährten eine große Chance hat und bietet. In den letzten 11 Jahren bin ich 7 mal umgezogen. Das hat etwas bereinigendes. Sowohl bei dem was man hat, als auch bei den Menschen die einen durch das Leben begleiten. Das Neue an einer Stadt, einer Umgebung oder einem Arbeitsplatz hat immer so viel Fortschritt und Weiterentwicklung gebracht, dass ich nicht müde werde auch noch weitere 7 mal umzuziehen und weitere Herausforderungen anzunehmen. Genau so sehe ich es auch beim Chaos Communication Congress.

Ich bin ein berliner Congresskind. Mein erster Congress (als reiner Besucher) war der 17C3 – Explicit Lyrics im Jahr 2000. Die Veranstaltung befand sich zu diesem Zeitpunkt zum dritten mal in Berlin im Haus am Köllnischen Park (HAKP). Mit dem 20C3 – Not A Number zogen wir ins nagelneue Berliner Congress Center (bcc). Der bisherige Höhepunkt in meiner Wahrnehmung war der folgende 21C3 – The Usual Suspects. Die virale Verbreitung der Usual Suspects Aufkleber und Flyer in Berlin war unglaublich. Ampeln, Koffer, U+S-Bahn überall die Üblichen Verdächtigen. Dieses “Marketing” und der zugehörige Congress haben nachhaltig dafür gesorgt, dass die Besucherzahlen stiegen. 2004 war auf dem 21C3 schon allen klar, dass der Congress deutlich mehr Interesse anzog als er bedienen konnte.

In den nächsten Jahren entwickelte sich das gemeinsame Treffen des CCC-Dunstkreises zum Experimentieren, Entwickeln, Forschen, Quatschen, kreativ Ausleben und unter dem Tisch pennen zu einer professionellen ausgewachsenen Veranstaltung mit allen Vor- und Nachteilen. Es sollten noch 7 Jahre vergehen, bis der Besucherzuwachsdruck so hoch war, dass eine Entscheidung getroffen werden musste, um die Congresskultur vor einer unerwünschten Veränderung zu bewahren.

Art & Beauty auf dem 19C3Der 29. Chaos Communication Congress (2012) wird im Congress Center Hamburg (CCH) stattfinden. Für mich ist es kein “Zurück zu den Wurzeln” oder “Back to the Future” wie in einigen Online-Publikationen zu lesen ist. Es geht weder zurück zu dreistelligen Besucherzahlen noch ins Eidelstedter Bürgerhaus. Ich denke der Congress wird eine neue Stufe erreichen, nämlich ein Mix aus professioneller Konferenz und genug Freiraum zum rumnerden, für den kreativen Umgang mit Technik und dessen Demonstration. Raum der im bcc zugunsten höherer Besucherzahlen stark zurück ging, jedoch meiner Meinung nach extrem wichtig für den Congress, den Club und das Umfeld ist. Ich wünsche mir wieder tolle Metallinstallationen, c-base utensilien, die Lockpicker mit der Weltmeisterschaft im Schlossöffnen, Vjs mit ihren großartigen Projektionen, Art & Beauty Kunstprojekte, Haecksenraum, Spiele, Licht, Schönheit, Mehr. Von  Zeugen von Hackerkultur wieder hin zu Erzeugern von Hackerkultur. Hamburg hat auf jeden Fall das Potenzial dafür. Vielleicht nicht alles beim ersten Versuch, aber der 30C3 ist ein gutes Ziel den 21C3 zu toppen. Ich freue mich jedenfalls heute schon auf die Eröffnungsveranstaltung in Hamburg mit 3000 Leuten in einem Saal.

Berlin. Im Sommer tust Du gut und im Winter tut’s weh. Jeder der in Berlin eine Weile gelebt hat, wird wissen, dass dieser Songtext nicht von ungefähr kommt. Berlin ist immer eine Reise wert, aber im Winter ist der Tausch mit Hamburg zu verschmerzen. Ich blicke mit einer Träne im Auge auf die Zeit in Berlin zurück und freue mich wahnsinnig auf Hamburg. Um so witziger ist es, dass sich die BlinkenArea nach dem 28C3 nach Hamburg aufgemacht hat, um auf St.Pauli Silvester zu feiern. Allen Kritikern sei gesagt, in Hamburg gibt es viel zu entdecken, lasst euch darauf ein und der Jahreswechsel wird bestimmt nicht langweilig. Wer es bei den Fischköppen absolut nicht aushält, der fährt direkt vor der Tür mit dem ICE ab und ist in unter zwei Stunden in Berlin.

Wer noch einmal zurückschauen und sich eine Träne wegdrücken will, hier ein paar Eindrücke des (vorerst) letzen Congresses im bcc. [Flickr] [YouTube]

Vielen, vielen Dank an alle für die schöne Zeit im HAKP und im bcc. Die Zusammenarbeit zwischen bcc und CCC ist meiner Meinung nach bei beiden Seiten auf fruchtbaren Boden gefallen.

Bleibt nur zu sagen: feire so, als ob es das letzte mal wäre. Das haben wir (zum Glück) auf dem 28C3 gemacht und hatten so unsere unbeabsichtigte Abschieds-Party. In diesem Sinne:

Mach’et jut Berlin und Moin Moin Hamburch!

BlinkenArea 28C3 Abschieds-Party
 

 

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