{"id":1799,"date":"2012-11-05T22:05:55","date_gmt":"2012-11-05T21:05:55","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.blinkenarea.org\/?p=1799"},"modified":"2026-07-19T20:12:26","modified_gmt":"2026-07-19T19:12:26","slug":"ich-suche-keine-freunde-am-arbeitsplatz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.blinkenarea.org\/index.php\/2012\/11\/05\/ich-suche-keine-freunde-am-arbeitsplatz\/","title":{"rendered":"Ich suche keine Freunde am Arbeitsplatz"},"content":{"rendered":"<p>Jedes Jahr im Oktober oder November geht es los. Es m\u00fcssen Termine f\u00fcr Weihnachtsfeiern oder Treffen auf dem Weihnachtsmarkt\u00a0gefunden werden. Ich m\u00f6chte das alles nicht. Der soziale Druck lastet schwer auf meinen Schultern. Ich arbeite gern und das meiste mit dem ich Geld verdiene macht mir Spa?. Ich empfinde das als gro?en Luxus. Ich m\u00f6chte aber mit den meisten meiner Arbeitskollegen keine Freizeit verbringen. Arbeiten super, Freizeit nein. Nicht weil ich sie nicht mag oder ich mich f\u00fcr etwas besseres halte, ich m\u00f6chte es einfach nicht. Ich habe eine Hand voll Freunde und mit denen kann ich schon kaum Zeit verbringen. Um nicht als Spielverderber da zu stehen, soll ich aber Zeit mit meinen Arbeitskollegen verbringen. Nach der Arbeitszeit. Auf eigene Kosten. Ich verstehe das nicht, vermutlich bin ich ein &#8220;Sozialkr\u00fcppel&#8221;. Beim letzten Abteilungsausflug habe ich mich ganz gut gedr\u00fcckt und bin lieber arbeiten gegangen. Ich habe nicht zugesagt, dass ich am Gruppenticket partizipieren m\u00f6chte und bin auch nicht hingegangen. Trotzdem musste ich einen Anteil am Gruppenticket bezahlen. Ich stelle niemandem meine Privatausfl\u00fcge anteilig in Rechnung, nur weil er nicht explizit abgesagt hat. Es waren 3,75 \u20ac und vielleicht ist das heute eben der Preis f\u00fcr einen Tag Privatsph\u00e4re. Mit meiner Wahrnehmung h\u00e4tte ich nun zumindest verstanden, wenn ich eine private Veranstaltung ausrufe und es Personen gibt, die sich nicht melden, dass sie nicht daran teilnehmen wollen. In meinem Fall ist das leider nicht so. Es gab nun die Ansage: weil bei der letzten Veranstaltung nicht alle dabei waren (nicht nur ich), geht das Referat gemeinsam essen und wir suchen einen Termin bei dem definitiv alle k\u00f6nnen. Ich kann mich nicht wehren ohne unh\u00f6flich zu sein. Ich muss den Zeitdiebstahl ertragen. Mein Arbeitgeber \u00fcbrigens nicht. Wenn ich nach\u00a0Zeitdiebstahl google, dann erhalte ich zu oberst die Aussage: &#8220;Wer seinen Arbeitgeber bei der Arbeitszeit betr\u00fcgt, muss mit einer au?erordentlichen K\u00fcndigung rechnen.&#8221; Es ist ein Jammer.<\/p>\n<p>Seit etwa einem Jahr studiere ich berufsbegleitend und habe dieses Studium zum Gegenstand eines sozialen Experiments gemacht. Ich habe in den ersten Monaten praktisch an keinen au?erunterrichtlichen Veranstaltungen teilgenommen. Theoretisch k\u00f6nnte es jedem vollkommen egal sein was mit den anderen Studenten ist. Jeder hat einen Job und sein Umfeld. Man trifft sich, man lernt, schreibt Pr\u00fcfungen und nach zwei Jahren klatscht man ab und sagt super fertig Ziel erreicht. Das was uns im MBA-Studium ewig vorgekaut wird.\u00a0Effizienz: \u00e2\u20ac\u017eDie Dinge richtig tun.\u00e2\u20ac\u0153 Zielerreichung! Ziel ist der Abschluss. Es ist nicht das Ziel Kumpel von allen Studenten und Ausbildern zu werden.\u00a0Vielleicht gibt es aus einer Gruppe von 25 Leuten noch 2 oder 3 mit denen Du gut klar gekommen bist und man h\u00e4lt den Kontakt, vielleicht entwickelt sich auch eine Freundschaft. Aber mit allen? Wenn Du Deine Freizeit nicht mit Deinen Kollegen teilst ist die Quittung, dass sie Dich f\u00fcr sozial inkompetent halten, ganz egal was Du in Deiner Freizeit machst und das projizieren sie auf Deine berufliche Kompetenz. Es wird so oft vom &#8220;Mittelweg&#8221; gesprochen, aber den geht kaum jemand. Entweder Du bist mein Freund und wir dr\u00fccken uns und lecken uns die Bakterien an die Wangen wenn wir uns sehen und gehen auf den Weihnachtsmarkt oder Du bist mein Feind und es geht gar nichts.\u00a0W\u00e4hrend unseres Studiums m\u00fcssen wir regelm\u00e4?ig unsere Kommilitonen beurteilen (KODE Kompetenztest). Die Kategorien sind so gew\u00e4hlt, das wir \u00fcberhaupt keine richtige Aussage treffen k\u00f6nnen, denn die Fragen beziehen sich alle auf das Berufsleben. Die Ergebnisse haben weder etwas mit der tats\u00e4chlichen beruflichen Leistung noch mit der Leistung im Studium zu tun. Es sind \u00fcberwiegend subjektive Angaben \u00fcber das Verhalten in den Pausen und der Freizeit. Ganz vereinfacht, ein\u00a0Sympathie Barometer. Ich habe dort z.B. schlechte Werte bei der Kommunikation und sehr gute bei der (fachlichen) Kompetenz. Beides stimmt nicht. Ich bin f\u00fcr zwei Jahre in die \u00f6ffentliche Verwaltung ausgeliehen und w\u00e4re ein denkbar schlechter Beamter. Verwaltungsvorschriften, Registratur, Verf\u00fcgungen? Nichts worin ich gut bin. Auch in der Informatik gibt es reihenweise bessere Leute als mich. Ich kann aber Informatikern die Belange von Nichtinformatikern und umgekehrt gut erkl\u00e4ren und vermitteln. Das mache ich im wesentlichen und das funktioniert ganz gut. Auf beiden Seiten kann ich die W\u00fcnsche n\u00e4her in Richtung Realit\u00e4t bringen und Hinweise, Alternativen sowie Erfahrungen beisteuern. Das ist reine Kommunikation. Manchmal ist Kommunikation auch keine Kommunikation. Wichtig ist der Sender aber entscheidend ist nur das, was beim Empf\u00e4nger ankommt.<\/p>\n<p>Liebe Sender dieser Welt, manchmal enth\u00e4lt <em>nichts senden<\/em> mehr Information als <em>irgendetwas senden<\/em>. Alle Zeit die Ihr in die Vorbereitung eurer Sendung steckt, zahlt sich beim Empf\u00e4nger mehrfach aus. Als Sender habt ihr die M\u00f6glichkeit die Zeit des Empf\u00e4ngers zu bereichern oder zu verschwenden.<\/p>\n<p>Liebe Vorgesetzten, liebe Kollegen liebe Empf\u00e4nger dieser Welt, stellt eure Antennen ab und zu mal neu ein. (Es gibt Menschen die gern mit euch arbeiten, aber keine Freizeit mit euch verbringen wollen.)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jedes Jahr im Oktober oder November geht es los. Es m\u00fcssen Termine f\u00fcr Weihnachtsfeiern oder Treffen auf dem Weihnachtsmarkt\u00a0gefunden werden. Ich m\u00f6chte das alles nicht. Der soziale Druck lastet schwer auf meinen Schultern. 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